Legändere Lichtkunst in den Dünen von den Haag
Eines der außergewöhnlichsten Kunstwerke Den Haags befindet sich nicht etwa in einem Museum, sondern ist in den Dünen an der Nordseeküste versteckt. Es lohnt sich aber, danach zu suchen – denn es verändert die Art und Weise, wie wir den Himmel sehen.


James Turrell stammt aus Texas und ist ein international bekannter Lichtkünstler. Vielleicht haben Sie seine Installationen bereits im MoMA in New York, in der Tate Modern in London oder in anderen renommierten Museen gesehen. Speziell für Den Haag hat er das Kunstwerk Celestial Vault – auf Deutsch „Himmelsgewölbe“ – geschaffen.
Die Wahl des Standorts war kein Zufall: Turrell glaubt, dass die Niederlande über ein einzigartiges Licht verfügen. Doch was macht es besonders?

Das hat in erster Linie mit der Geografie zu tun. Die Niederlande sind flach und verfügen über zahlreiche Wasserflächen. Wasser ist hier allgegenwärtig und prägt die Landschaft ebenso wie das Licht. Es reflektiert das Licht und beeinflusst dessen Verteilung, wodurch die Atmosphäre besonders weich und diffus wirken kann. Turrell bezeichnet dieses besondere Lichts als „loving light“ – „liebendes Licht“.

Eine weitere Besonderheit ist der ständige Wandel des Lichts. Die Wolken sind ständig in Bewegung, die Sonne tritt hinter ihnen hervor und verschwindet wieder. Dadurch verändert sich die Atmosphäre immer wieder – das Licht bleibt dynamisch.

Dieses weiche, diffuse und zugleich kontrastreiche Licht lässt sich bereits in den Gemälden der niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts erkennen. Ihre Werke wurden in die ganze Welt getragen und prägten die Vorstellung von der niederländischen Landschaft. So entstand der Begriff des „holländischen Lichts“.
Auch ausländische Künstler fühlten sich davon angezogen. Insbesondere Claude Monet interessierte sich für die besondere Wirkung des Lichts und reiste in die Niederlande, um diese Landschaft selbst zu erleben.

Im Jahr 2003 drehten die Brüder De Kroon den Dokumentarfilm Hollands Licht. Darin untersuchten sie gemeinsam mit Meteorologen, Physikern, Historikern und Künstlern das Wesen dieses vermeintlich einzigartigen Naturphänomens.

Das Celestial Vault befindet sich in einem künstlich angelegten, elliptischen Krater in den Dünen von Kijkduin. Der Zugang führt durch einen schmalen Betontunnel. In der Mitte des Kraters befindet sich eine lange Steinbank, auf die man sich legen kann.

Aus dieser Position betrachtet, wird der Rand des Kraters zu einem neuen Horizont, und der vertraute, flache Himmel scheint sich in eine dreidimensionale Kuppel zu verwandeln.
James Turrell verändert die Bedingungen, unter denen wir den Himmel sehen, und zeigt uns, dass Wahrnehmung nicht nur davon abhängt, was wir betrachten, sondern auch davon, wie wir es tun. Das eigentliche Kunstwerk ist weder der Krater noch die Betonbank, sondern der Akt des Sehens selbst.


Adresse: 
Machiel Vrijenhoeklaan 175, 
2555 NA Den Haag


Bildernachweis:
Valentina Coquil,
Wiki commons: David Shankbone, James Turrell At the Guggenheim 2013 NYC Shankbone, Wikimedia Commons. Licensed under CC BY 3.0. The image is cropped;
Xsteadfastx, James Turrel – space that sees, via Wikimedia Commons. Licensed under CC BY 3.0. The image is cropped
© 2026 Den Haag Führung
Deutschsprachige Stadtführungen in Den Haag mit Valentina Coquil
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